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… kulturelle Identität ... erlebbar machen. - Im Gespräch mit Markus Happe von More Than Words

19.01.2021
Markus Happe, MoreThanWords

Mit seinem Team von ­mittlerweile sechs Festangestellten und unzähligen Freelancern ist Markus Happe seit 1998 für so wahrhaft ausgezeichnete Fassadenkunst verantwortlich wie an den Objekten der Unnaer Straße in Dortmund (zur Projektinfo geht es hier). Während das Dierkes Objekt-Team die Fassaden sanierte und für die finale Kunst vorbereitete, veredelte das Team die Flächen mit den ­Geschichten aus der Historie des Ruhrgebietes, um, wie Happe sagt, die „kulturelle Identität der Region erlebbar zu machen“.

Herr Happe, Sie sind seit mittlerweile über zwanzig Jahren als Künstlerkollektiv auch gewerblich tätig, aber bereits vor der Gründung schlug Ihr Herz für die nicht immer ganz eigentümergewollten, farbintensiven Oberflächen von Zügen, Wänden und Brücken. Wie kam es dazu, dass Sie aus dem Hobby einen Beruf machten?

Markus Happe: Damit war tatsächlich erst einmal gar nicht zu rechnen. Ich war aber schon in sehr jungen Jahren von Graffitikunst ­begeistert. Bevor ich überhaupt in die Szene einstieg, fotografierte ich im Alter von elf oder zwölf Jahren vor allem Züge, aber auch Gebäude, die besonders eindrucksvolle Motive ­trugen, und legte mir somit schnell eine stattliche Sammlung an. Nach ­einigen Monaten kannte man mich vor Ort, beispielsweise am Dortmunder ­Hauptbahnhof, und ich wurde in die ­Szene aufgenommen. Irgendwann bin ich dann auch selber aktiv geworden und die Begeisterung hat mich bis heute nicht losgelassen. Bevor ich jedoch More Than Words gegründet habe, absolvierte ich eine Ausbildung zum Elektroinstallateur, ging zur Bundeswehr, hatte eine Anstellung als Techniker bei Nokia und stand dann irgendwann vor der Entscheidung, alles auf eine Karte zu setzen. Zu dieser Zeit lief meine Kunst da schon einige Jahre als Nebengewerbe.

Und dann haben Sie den Schritt gewagt?

Markus Happe: Richtig, erst einmal zum großen Unmut meines Umfeldes (lächelt). Nun muss man aufklären, dass Sie mit Ihrem Team sehr schnell für große Unternehmen wie Thyssenkrupp, DOGEWO21 und später auch für Facebook oder Spotify arbeiteten.

Wie kam es dazu?

Markus Happe: Auch das ist ­richtig, wir haben es vielleicht einfach geschafft, den Spagat zu vollbringen, die Schönheit unserer Kunst auf gewisse Anforderungen zu übertragen und dabei die Wirtschaftlichkeit im Hinblick auf die Vermarktung oder Veredelung von Oberflächen zu berücksichtigen. Natürlich ist uns die künstlerische Freiheit ein hohes Gut, aber wir sind uns darüber bewusst, dass gewisse Projektvorgaben einfach wichtige Koordinaten für unsere Kunden sind. Für uns waren und sind Verlässlichkeit und Seriosität sehr wichtig. Daher haben wir nach der Gründung auch einen Termin beim damaligen Obermeister der Maler- und Lackiererinnung in Dortmund gemacht, um zu dokumentieren, dass wir zwar natürlich malerähnliche Tätigkeiten ausführen, aber keinem Handwerksunternehmen die Projekte streitig machen möchten. Dass das perspektivisch so gut funktioniert und wir nun schon zum zweiten Mal mit den Unternehmen der ­Firmengruppe Dierkes so erfolgreich zusammenarbeiten, ist ein Beleg dafür, dass wir durch unsere Spezialisierung eher Partner als Wettbewerber des Maler- und Lackiererhandwerks sind.

Abgesehen von den Unterschieden, welche Gemeinsamkeiten sehen Sie mit dem Maler- und Lackiererhandwerk?

Markus Happe: Ich denke, dass wir uns in den Tugenden sehr ähnlich sind: Biss, Durchhaltevermögen, Flexibilität, Freude daran, auch körperlich zu arbeiten, der kühle Kopf bei engen Timings und auch der Blick auf die wirtschaftliche Umsetzung, all das eint uns.