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Interview mit Lars Prothmann

13.11.2018
Lars Prothmann, Maler- und Lackierermeister

Lars Prothmann ist Spezialist für die energetische Sanierung von Gebäuden. Mit über 25-jähriger Erfahrung im Bereich der Wärmedämmung optimierte er mit seinem Team in den vergangenen Jahren die Energiebilanzen unzähliger Gebäude. Wir sprachen mit dem Maler- und Lackierermeister über die Vorteile mineralischer Dämmsysteme.

Herr Prothmann, was ist eigentlich ein vollmineralisches Wärmedämm-Verbundsystem?

Lars Prothmann: Grundsätzlich unterscheidet man zwischen synthetischen, mineralischen und vollmineralischen Systemen. Bei einem vollmineralischen Wärmedämm-Verbundsysteme bestehen alle Komponenten wie Klebe- und Armierungsmörtel, Dämmstoff und Oberputz aus natürlichen mineralischen Rohstoffen. Der Dämmstoff Mineralwolle wird überwiegend aus Feldspat, Dolomit und Sand hergestellt. Klebemörtel und Oberputze wie ein mineralischer Edelkratzputz bestehen unter anderem aus Quarzsand, Kalkhydrat, Weißzement und Jurakorn. Im Idealfall besteht auch die zugrunde liegende Gebäudewand aus mineralischen Baustoffen wie zum Beispiel Ziegel oder Bims. Dadurch erhält man einen bauphysikalisch vorteilhaften homogenen Wandaufbau.

Welche grundsätzlichen Mehrwerte bieten diese Systeme?

Lars Prothmann: Wie alle Wärmedämm-Verbundsysteme erfüllen mineralische Systeme zunächst die Aufgabe, den Verlust von Raumwärme zu vermeiden und somit den Heizenergiebedarf zu senken. Mineralwolle verfügt über sehr gute Dämmeigenschaften. Abhängig von der Dämmplatte bieten zum Beispiel die mineralischen Wärmedämm-Verbundsysteme weber.therm A 100 und A 200, die am Objekt in der Osningstraße in Dortmund zum Einsatz gekommen sind, eine Dämmleistung zwischen 0,041 und 0,035 W/mK. Es genügt also bereits eine wärmebrückenfreie Dämmschicht von 14 bis 16 Zentimetern, um die Energieeffizienz einer Immobilie deutlich zu erhöhen und – je nach Beschaffenheit des Untergrunds – auch die EnEV-Anforderungen zu erfüllen. Ein willkommener Nebeneffekt: Eine Außendämmung hält die Innenräume nicht nur im Winter länger warm, sondern auch im Sommer angenehm kühl. Zudem erhöht eine Dämmung auf Mineralwolle- Basis – insbesondere in Verbindung mit einem dickschichtigen mineralischen Oberputz – zusätzlich den Schallschutz. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Diese Dämmplatte entspricht in Sachen Brandschutz den Anforderungen der Kategorie A1 und gilt somit als nicht brennbar.

Welche Vorzüge gibt es darüber hinaus?

Lars Prothmann: Ein wesentlicher Vorteil von mineralischen WDVSystemen ist ihre Diffusionsoffenheit, das heißt die Durchlässigkeit für Wasserdampf. Eine Außenwand steht in einem Feuchtegleichgewicht mit der Raumluft und mit der Außenluft. Falls sich in die Wand eindringende Feuchtigkeit dort ansammelt und nicht abgeführt wird, besteht die Gefahr einer Schädigung (innen wie außen durch Schimmelbefall, außen zudem durch Algenbewuchs oder Putzabplatzungen). Eine dauerhafte völlige Dichtigkeit ist kaum zu erreichen und auch nicht unbedingt erstrebenswert. Entscheidend für ein angenehmes Raumklima ist vielmehr ein funktionierendes Feuchtemanagement im Bauteil, das heißt, dass die Feuchtigkeit, die von innen (beispielsweise mit der Atemluft) und von außen (zum Beispiel als Tauwasser) in die Wand beziehungsweise das Wärmedämm-Verbundsysteme eindringt, sich dort nicht staut, sondern kontrolliert wieder an die Luft abgegeben wird. Dies ist bei den hoch diffusionsoffenen mineralischen Wärmedämm-Verbundsystemen der Fall. Die übliche eindringende Feuchtigkeit kann ungehindert entweichen. Durch dieses ausgewogene Feuchtigkeitsmanagement sorgen mineralische Systeme für ein gesundes Wohnklima mit angenehmen Temperaturen und deutlich vermindertem Schimmelrisiko.

Also lohnt sich die Investition in ein mineralisches System?

Lars Prothmann: Absolut, bei einem mineralischen Fassadensystem handelt es sich um eine rundum lohnenswerte Investition, die sich – in der Regel – binnen weniger Jahre ausgezahlt hat. Da die Energiekosten aller Voraussicht nach weiter steigen werden, erhöht sich das Einsparpotenzial von Jahr zu Jahr. Dementsprechend amortisieren sich die Kosten für ein WDV-System – je nach Untergrund und Systemaufbau. Dies gilt insbesondere, wenn eine energetische Sanierung mit einer ohnehin anstehenden Fassadensanierung verbunden wird. Ferner erfährt die Immobilie durch eine hochwertige Fassadendämmung eine unmittelbare und lang anhaltende Wertsteigerung.

Herr Prothmann, vielen Dank für das Gespräch.